Kaffee & Kinderarbeit – den Deutschen interessiert das nicht die Bohne?

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Der Kaffee ist das Getränk der Deutschen, rund 160 Liter trinkt der Durchschnittsdeutsche im Jahr; zum Vergleich: bei Wasser sind es nur 120 Liter. Ein Großteil dieses Kaffees stammt von Nestlé. Wer kennt ihn nicht – den typisch löslichen Kaffee des Nahrungsmittelkonzerns oder den teureren Kapselkaffe der Marke Nespresso, den sogar der Filmstar George Clooney bewirbt? Hierbei hinterfragen die wenigsten Deutschen, wo dieser Kaffee eigentlich herkommt oder welche Qualität jener hat – ein Problem unserer Gesellschaft?

Tatsächlich gibt es Nachhaltigkeitsprogramme bei Nescafé und auch bei Nespresso. Für alle Marken unter Nescafé gibt es die 4C-Leitlinie, während Nespresso seine eigenen Richtlinien hat, das sogenannte „Nespresso AAA Nachhaltigkeits- und Qualitätsprogramm“. Die 4C-Leitlinie beschränkt sich tatsächlich aber nur auf die schlimmsten, illegalen oder unnachhaltigsten Methoden, den Kaffee anzubauen, wobei die genauen Kriterien nicht öffentlich einzusehen sind, und ist kein Zertifikat, das für die Bohnen ausgestellt wird. Das Nespresso AAA Programm hingegen nutzt ähnliche Kriterien wie das Sustainable Agriculture Network (SAN) für die Rainforest Alliance Zertifikation, aber auch hier sind die genauen Voraussetzungen nicht für die Allgemeinheit einsehbar, wobei bekannt ist, dass die Bauern 30 – 40% besser bezahlt werden als normalerweise, weshalb auch die Pflücker besser bezahlt werden können.

2013 kaufte Nestlé 900.000 Tonnen grünen, also noch nicht gerösteten, Kaffee von Bauern aller Welt ein; davon entsprachen gerade mal 8% der 4C-Leitlinie und von ca. 60.000 Tonnen, die für Nespresso eingekauft wurden, waren immerhin 84% AAA zertifiziert, was 50.400 Tonnen grünen Kaffees entspricht. Das bedeutet, dass gerade einmal 15% des gesamten eingekauften Kaffees von Nestlé überhaupt irgendeiner Richtlinie entsprechen, während der Großteil mit 765.000 Tonnen gar keiner Kontrolle o.ä. unterliegt und dementsprechend billig eingekauft werden kann.

Der Kaffeeexperte Joachim Kühne von der Berlin School of Coffee meint, dass die Qualität des Kaffees, den die Deutschen konsumieren, im weltweiten Vergleich der mit Abstand schlechteste sei. Wenn die Bauern in den Anbauregionen für Kaffee in einer Ernte die schlechten Bohnen von den gut gereiften trennen, sammeln sie auch die schlechten separat von den anderen, werfen sie aber nicht weg, denn diese Abfallbohnen kann man immer noch an die großen Kaffeeproduzenten Deutschlands wie beispielsweise Nestlé Deutschland verkaufen.

Carlos Montero, Kaffeebauer im Hochland von Tarrazú, der größten Anbauregion Costa Ricas, baut Specialty Coffee an. Das bedeutet, dass sein Kaffee einen bestimmten Qualitätsstandard erreicht, wodurch er ihn zu besseren Preisen auf den Markt bringen kann. Er verkauft hauptsächlich an kleinere Röstereien in Europa, da er die gepflückten Kaffeekirschen selbst zu grünem Kaffee weiterverarbeitet, um so nicht zu Weltmarktpreisen verkaufen zu müssen, welche zum einen durch maschinell betriebene Pflückarbeiten in Brasilien und zum anderen durch den Konsumenten, der möglichst günstigen Kaffee kaufen möchte, niedrig gehalten werden. „Das Wichtigste, worauf wir alle achten müssen, ist, dass wir nachhaltig leben. Vor allem die jüngeren Generationen werden mit den Folgen unserer Lebensstile leben müssen. Deshalb ist mir der nachhaltige Kaffeeanbau so wichtig,“ so Montero. Das ist der Grund, weshalb der costa-ricanische Bauer seinen Kaffee nicht an Unternehmen wie Nestlé verkaufen möchte, denn diese legen wie schon beschrieben keinen Wert auf Qualität, sondern nur Quantität spielt für diese eine Rolle.

Deswegen kommt es vermutlich auch immer wieder zu Fällen von Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen, die an Nescafé oder Nespresso liefern; nachweisbar sind diese zwar bisher nur auf Kakaoplantagen, die zu Nestlés Produktionskette gehören. Nur warum sollte es in der Kaffeeproduktion anders sein? Auf einigen Plantagen in Tarrazú sind auch Kinder anzutreffen, die bei der Ernte mithelfen. Auf Nachfrage weichen die Bauern aber zumeist aus und sagen, dass die Kinder nur auf freiwilliger Basis ihre Familien unterstützen.

Durch eine Änderung unseres Konsumverhaltens ist es uns also möglich diesen Kindern zu helfen. Wenn wir bereit sind für unseren Kaffee ein wenig mehr zu bezahlen, dann können die Bauern in Anbauregionen auf Kinderarbeit verzichten und die Kinder hätten endlich eine Chance auf ein normales Leben, wie wir es uns für jeden Jugendlichen nur erhoffen können.

 

Quellen:

  • Nestlé 2013 sustainability report: the kitchen sink – Coffee & Conservation (http://www.coffeehabitat.com/2014/05/nestle-2013-sustainability-report/)
  • The good, the bad and the ugly: sustainability at Nespresso – Marc Gunther (https://www.theguardian.com/sustainable-business/2015/may/27/nespresso-sustainability-transparency-recycling-coffee-pods-values-aluminum)
  • Inside Big Chocolate’s Child Labor Problem – Brian O’Keefe (http://fortune.com/big-chocolate-child-labor/)
  • Persönliches Gespräch mit Kaffeebauer Carlos Montero (https://doneli.coffee/)
  • Persönliches Gespräch mit dem Barista & Kaffeeexperten Joachim Kühne (https://berlinschoolofcoffee.de/)